Dramatische Missstände im Atomlager Asse

Finch
Atommüll in durchgerosteten Fässern

Umweltminister Gabriel schlägt Alarm: Angesichts dramatischer Missstände im Atomlager Asse bei Wolfsbüttel droht ein Wettlauf mit der Zeit, um den strahlenden Müll doch noch zu sichern. Für 2014 wird der Einsturz des Bergwerks befürchtet.

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und Wikipedia meint dazu...

Forschungsbergwerk Asse

Das Forschungsbergwerk Asse ist ein ehemaliges Salzbergwerk 10 Kilometer südöstlich von Wolfenbüttel in Niedersachsen, in dem seit 1965 durch das „Helmholtz Zentrum München“ (damals noch „Gesellschaft für Strahlenforschung mbH“ - GSF) Forschungsarbeiten zur Endlagerung von radioaktiven Abfällen durchgeführt werden. Nur 1,4 Kilometer entfernt liegt das schon 1906 wegen Wassereinbruchs stillgelegte Salzbergwerk Asse I.

Forschungsarbeit
In der Zeit von 1967 bis 1978 wurden in der Anlage Asse II rund 125.000 Behälter mit schwachradioaktiven Abfällen in 750 Metern Tiefe und zwischen 1972 und 1977 rund 1300 Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen mit etwa 11 Kilogramm Plutonium aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe in 500 Metern Tiefe eingelagert. Nach Angaben der Betreiber enthalten die Abfälle zudem 102 Tonnen Uran und 87 Tonnen Thorium. 90 Prozent des radioaktiven Inventars in der Schachtanlage Asse stammt nach Angaben des Betreibers (GSF 2002) aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe. Die Schachtanlage Asse war der Prototyp für ein geplantes Endlager für hochradioaktiven Müll in Gorleben. Zitat Prof. K. Kühn, ehem. Betriebsleiter der GSF in der Asse (2001): "Ziel war es, für ein geplantes Endlager im Salzstock Gorleben die entsprechenden Techniken und die wissenschaftlich-technischen Daten zu ermitteln und bereit zu stellen. Der Salzstock Gorleben war in der Eignungsuntersuchung. Wir von der GSF sollten im Forschungsbergwerk Asse die entsprechenden Technologien und wissenschaftlichen Untersuchungen durchführen."

Für eine Einlagerung nach 1978 hätte ein Planfeststellungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden müssen. Die Einlagerungen erfolgten ausschließlich auf der Grundlage der hierfür seinerzeit erforderlichen Genehmigungen, die ihrerseits auf der Grundlage der damals gültigen Gesetze und Verordnungen erteilt wurden. Statt nach dem Atomrecht wurde nach dem einfacheren Bergrecht gearbeitet. Die gesamte Einlagerung lief angeblich ohne nennenswerte technische Störungen oder Unfälle ab. Neuerdings wird allerdings von einem Unfall im Jahr 1973 berichtet - ein Gabelstaplerfahrer soll mit seinem Fahrzeug in einem Grubengang radioaktiven Müll verloren haben - und einem Überschreiten der Radongrenzwerte in der Abluft um das 3,5-fache. Noch heute finden in der Asse zwei wissenschaftliche Versuche statt, u.a. mit Neptunium. Außerdem wurden Temperaturversuche im Salz durchgeführt. Versuche zur Durchlässigkeit des Salzes für Gase und Flüssigkeiten und Versuche mit Kobalt 60 Quellen. (Kühn 2001) Auf der 925 Meter Sohle wurde zudem eine Kaverne angelegt, die als Testfeld für hochradioaktive Abfälle gedacht war. Zudem wurde die Einlagerungstechnik erprobt. Der gesamte Umfang der Forschungsvorhaben ist bislang nicht bekannt. Die Langzeitstabilität der Endlagerung stand nicht als Forschungsziel fest. Der Nachweis war jedoch Voraussetzung für die Erlaubnis zur Forschung.

Zu Beginn der Versuchseinlagerung wurden die Fässer mit den schwachradioaktiven Abfällen senkrecht aufeinander stehend in die ehemaligen Abbaukammern im Steinsalz eingebracht. Das Liegend-Aufeinander-Stapeln dieser Gebinde mit den schwachradioaktiven Abfällen stellte eine erste Optimierung dar. In der dritten Phase der Versuchseinlagerung wurden die Gebinde mit schwachradioaktiven Abfällen über eine Salzböschung in die Einlagerungskammer abgekippt und anschließend mit Salzhaufwerk bedeckt. So wurden auch die mittelradioaktiven Abfälle in Rollreifenfässern in eine Kaverne fallen gelassen. Gebinde wurden dabei nachweislich beschädigt.

Die Einlagerung wurde von Anfang an so vorgenommen, dass das strahlende Material nicht mehr für Kontrolluntersuchungen oder eine andere Endlagerung zurückgeholt werden kann.

Bereits 1979 wurde die Gefährdung der Asse durch mangelnde Standsicherheit in einer Studie aufgezeigt. Allerdings wurden die Ergebnisse vom Betreiber des Endlagers und den verantwortlichen Institutionen nicht ernst genommen. Erst in jüngerer Zeit (ab Mitte der 1990er Jahre) sind Betreiber und Genehmigungsbehörden besorgt, dass der ab 1988 beobachtete Zufluss von Salzlösung aus dem Nebengebirge in das Grubengebäude (ca. 12,5 Kubikmeter/Tag) in Kombination mit der unzureichenden Tragfähigkeit des Grubengebäudes zu unabsehbaren Konsequenzen führen kann. Der Lösungszufluss findet an der besonders gefährdeten Südflanke des Bergwerks statt. Ursache des Zuflusses ist die Bildung von Wegsamkeiten im Nebengebirge und in der Salzbarriere durch die permanente Bewegung des nicht standsicheren Bergwerks. Es ist nicht ausgeschlossen, dass zukünftig ein deutlich höherer Lösungszutritt stattfinden kann. Dies hätte äußerst negative Folgen, da die zuströmende Lösung weitere Salze (Carnallit) im Grubengebäude auflöst und so die Tragfähigkeit des Bergwerks noch weiter vermindern würde.

Schließung
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat entschieden, die Schachtanlage Asse nicht mehr zu nutzen. Dies bedeutet, dass die Forschungsarbeiten in dem Bergwerk beendet werden. Seine endgültige Schließung nach Bundesberggesetz war zunächst für das Jahr 2013 geplant, ist aber 2006 auf das Jahr 2017 verschoben worden. Das übergeordnete Ziel aller Maßnahmen zur Schließung der Schachtanlage Asse ist ein sicherer Abschluss der eingelagerten radioaktiven Abfälle von der Biosphäre. Ob dieses Ziel aber durch die Verfüllung des Bergwerkes mit einer Magnesiumchlorid-Lösung erreicht werden kann, ist ungewiss. Denn bei diesem Vorgehen werden die Atommüllfässer von der Lösung angegriffen und sich laut GSF in den ersten 10 bis 100 Jahren auflösen. Mögliche Wechselwirkungen der Salzsole mit den Radionukliden wurden nicht erforscht. Vorher werden die Abbaukammern durch das Einblasen von Salz-Gestein möglichst vollständig gefüllt, um zu einer Stabilisierung des Grubengebäudes beizutragen. Es besteht die Gefahr, dass Radioaktivität ins Grundwasser und/oder an die Erdoberfläche gelangt. Weiträumige hydrogeologische Untersuchungen wären zu Beginn des Versuchsbergwerkes notwendig gewesen.

Der sog. Herleitungsbericht des Betreibers legt lediglich das Konzept der "Flutung" dar, vergleicht dieses aber nicht mit anderen möglichen Optionen beim Umgang mit dem Atommüll. Genannt wurden inzwischen eine Verfüllung mit festem Material (Schotter, Sorel-Beton), eine Umlagerung von Teilen des Atommülls innerhalb des Bergwerks oder eine Rückholung der Fässer. Erste Überlegungen dazu finden derzeit in dem mit Experten besetzten "Arbeitskreis Optionenvergleich" statt.

Der Hauptbetriebsplan 2005/2007 wurde vom Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld genehmigt. Der Antrag zur Schließung des Bergwerks wurde im Januar 2007 beim Landesbergamt eingereicht. Dieser beinhaltet einen Abschlußbetriebsplan sowie einen Langzeitsicherheitsnachweis und muss nach entsprechender Prüfung vor der Umsetzung noch genehmigt werden.

Radioaktiv kontaminierte Salzlauge
Seit spätestens 1988 ist bekannt, dass es Laugenzuflüsse gibt. Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zeigen einige Messstellen eine Kontamination der ins Bergwerk eintretenden Salzlauge mit Caesium-137 (137Cs). Nach einer TÜV-Studie im Auftrag des Bundesforschungsministeriums und des niedersächsischen Umweltministeriums stammt diese jedoch aus Fässern in der Lagerkammer 12.

Im Juli 2008 wurde bekannt, dass schon seit Jahren diese mit Radionukliden kontaminierte Lauge in der Asse vorgefunden und beseitigt wurde.

Lauge, die freigemessen wurde, verbrachte man Übertage, pumpte sie in Tanklaster und brachte sie zu stillgelegten Kalibergwerken der K+S AG (Bad Salzdetfurth, Adolfsglück und Mariaglück)[4]. Sie wurde dort zur Flutung eingesetzt. Weiterhin wurde bekannt, dass in jüngster Zeit Lauge auf eine tiefere Sohle gepumpt wurde.

Die Belastung dieser Lauge soll unter den zulässigen Grenzwerten gelegen haben. Der Betreiber der Asse hat nur die zuständigen Behörden und nicht die Öffentlichkeit darüber unterrichtet. Dies hat zu einem erheblichen Vertrauensverlust der Öffentlichkeit gegenüber der Betreibergesellschaft Helmholtz Zentrum München geführt.

In einem von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel angeforderten Statusbericht des niedersächsischen Umweltministeriums wurde im September 2008 festgestellt, dass das Lager bereits seit 1967 undicht ist und durch fehlende Sachkenntnis der Betreibergesellschaft die Risiken weiter erhöht wurden. Gabriel bezeichnete Asse II als „die problematischste kerntechnische Anlage, die wir in Europa finden“. Die Sicherheit sei „nirgends nachgewiesen“.

Gegner des Atommülllagers befürchten eine radioaktive Kontamination des Grundwassers und verlangen einen Stopp der planmäßigen Flutung des Forschungsbergwerkes Asse mit MgCl2-Lösung, die im Rahmen der Schließung durchgeführt werden soll.
tehr
Jetzt stellt sich nur noch die Frage, was ein "Atomlager" ist.
Finch
Ich dachte immer dort werden solange Atome gestapelt bis sie zusammenbrechen... großes Grinsen

nö jetzt mal Spaß beiseite --> das ist echt ne Sauerei und zwar ne gewaltige...


Gruß Finch