Krieg um Südossetien

Mario Lustich
Russland mischt sich in den Konflikt um die abtrünnige Region Südossetien ein: Ministerpräsident Wladimir Putin hat Vergeltung für die georgische Militäroffensive angekündigt, bei der auch russische Soldaten getötet worden sein sollen. Kampfflugzeuge sollen bereits Ziele in Georgien bombardiert haben, was Moskau allerdings dementiert. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili mobilisiert nun sämtliche Streitkräfte.

Georgien und Russland stehen im Konflikt um die Region Südossetien am Rande eines Krieges. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin drohte mit Vergeltung für die georgische Offensive in Südossetien. Georgien hatte zuvor eine Militäraktion zur Rückeroberung der seit 16 Jahren abtrünnigen Region, die enge Beziehungen zu Russland unterhält, gestartet. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili erklärte, russische Kampfflugzeuge hätten georgische Orte und Einrichtungen bombardiert. Dabei seien Menschen verletzt worden. "Eine offene Aggression ist gegen Georgien gestartet worden", sagte Saakaschwili. Sein Land werde sein Territorium aber nicht aufgeben und auf seine Freiheit nicht verzichten.

Georgien mobilisierte daraufhin sämtliche Streitkräfte sowie Tausende Reservisten. Präsident Saakaschwili sprach von einer "großangelegten militärischen Aktion" gegen Georgien. "Ich fordere Russland auf, mit der Bombardierung friedlicher georgischer Städten aufzuhören", sagte er.

Das russische Außenministerium wies die Berichte aus Georgien umgehend zurück. "Das ist Unsinn", sagte ein Sprecher in Moskau. "Die Information, dass russische Flugzeuge nach Georgien geflogen sind und dass ein russisches Flugzeug abgeschossen wurde, entsprechen nicht der Realität."

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Saakaschwili: "Offene Aggression"

"Eine offene Aggression ist gegen Georgien gestartet worden", sagte Saakaschwili. Sein Land werde sein Territorium aber nicht aufgeben und auf seine Freiheit nicht verzichten. Saakaschwili hat schon länger erklärt, dass er Südossetien und eine weitere seit Anfang der 90er Jahre abtrünnige Region, Abchasien, wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Tiflis bringen will.

In der Nacht zum Freitag wurden heftige Gefechte aus Südossetien gemeldet, bei denen mindestens 15 Menschen getötet wurden. "Der Angriff kommt von allen Seiten", hieß es in einer kurzen Erklärung auf der Website der Regierung der Separatisten. In den Außenbezirken der Stadt tobten heftige Gefechte. Georgien habe mit Kampfflugzeugen, schwerer Artillerie und Raketen angegriffen, viele Häuser in Zchinwali stünden in Flammen. Die georgischen Truppen hätten Zchinwali fast vollständig eingeschlossen, fünf Dörfer seien von ihnen eingenommen worden, erklärte der georgische Minister Temur Jakobaschwili.

Der Führer der russischen Provinz Nordossetien, Teimuras Mamsurow, fuhr nach Zchinwali. "Wir organisieren gemeinsam eine Verteidigung hier", erklärte er laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax. Hunderte Freiwillige strömten von Nordossetien nach Südossetien. Interfax zitierte auch den Führer in Abchasien mit den Worten, rund 1.000 Freiwillige seien aus seiner Region unterwegs nach Südossetien.
Mario Lustich
Russische Truppen marschieren ein

Der Konflikt um Südossetien eskaliert. Nach Medienberichten rücken russische Truppen in die abtrünnige Provinz ein. Zuvor wurde bereits über Luftangriffe auf georgischem Gebiet berichtet.

Russische Truppen sind am Freitag einem Fernsehbericht zufolge in Südossetien eingerückt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew erklärte, er sei verpflichtet, das Leben russischer Bürger überall zu schützen. Georgische Truppen hatten zuvor eine Großoffensive gestartet, um die abtrünnige Region, die seit 1992 praktisch autonom ist, wieder zurückzuerobern.

General Mamuka Kuraschwili sagte, die georgischen Truppen hätten begonnen, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin kündigte daraufhin Vergeltung an.
netopyr
Infos der Süddeutschen Zeitung: Moskau und Tiflis kämpfen um Südossetien, Kommentar Krieg der Stellvertreter
Infos FAZ online: Viele Tote bei heftigen Kämpfen
New York Times: Russia Sends Troops Into Rebel Enclave in Georgia
Artikel der Moskauer Pravda auf Englisch: Übersicht der Artikel

Wiki: Zchinwali, Süd-Ossetien

Geschickt gewählter Termin, da jetzt (fast) alle nur noch auf Olympia schauen...
Mario Lustich
Südossetien berichtet von über tausend Toten

Am Tag der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking ist es mit dem Olympischen Frieden nicht weit her: Im Streit um die Kaukasusregion Südossetien griffen die Konfliktparteien am Freitag zu den Waffen. Das russische Verteidigungs- ministerium bestätigte am Nachmittag Berichte, dass es Truppen auf südossetisches Gebiet geschickt hat. Südossetien berichtet mittlerweile von 1400 toten Zivilisten.

Georgien gab am Freitagabend bekannt, dass es 1000 seiner Elitesoldaten aus dem Irak abziehen werde. Das sagte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrates in Tiflis, Alexander Lomaia. Das ist etwa Hälfte des georgischen Kontingents im Irak. Experten in Tiflis gingen bisher immer davon aus, dass eine solche Initiative Signal für einen möglicherweise größeren Krieg im Südkaukasus sein könnte.
Mario Lustich
"Wir bieten an, das Feuer sofort einzustellen"

Im Konflikt mit Russland hat der georgische Präsident Michail Saakaschwili am Samstag eine sofortige Feuerpause vorgeschlagen. Alle Konfliktparteien sollten die Kämpfe um Zchinwali, die Hauptstadt der abtrünnigen georgischen Region Südossetien, sofort einstellen und mit einer Entmilitarisierung beginnen. "Wir bieten an, das Feuer sofort einzustellen", sagte Saakaschwili.

Insgesamt sollen mehr als 1700 Menschen auf südossetischer und georgischer Seite ums Leben gekommen sein. Ein Dekret von Saakaschwili zum sofortigen Inkrafttreten eines 15-tägigen Kriegszustands in Georgien wurde am Samstag vom Parlament in Tiflis angenommen. Russische Streitkräfte setzten ihre Angriffe auf zivile und militärische Ziele am Samstag fort. Neben Südosetien hatte sich der Konflikt am Samstag auch auf Abchasien ausgeweitet - eine zweite abtrünnige Provinz Georgiens.

Mario Lustich
Russen in Übermacht
Georgien zieht aus Südossetien ab

Russland hat tausende zusätzliche Soldaten nach Südossetien verlegt. In Anbetracht der Lage hat Georgien den Rückzug seiner Truppen aus Südossetien angeordnet.

Die georgischen Truppen haben nach Angaben der georgischen Regierung mit dem Rückzug aus Südossetien begonnen. Die Soldaten würden fast aus der ganzen Region abgezogen, sagte der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats Georgiens, Alexander Lomaja. Georgien habe die USA zudem darum gebeten, in dem Konflikt zwischen Georgien und Russland zu vermitteln. Zuvor hatte eine Regierungssprecherin bereits einen vorübergehenden Abzug aus der südossetischen Provinzhauptstadt Zchinwali angekündigt.

In der Nacht zum Sonntag seien 10.000 zusätzliche russische Truppen in die abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien einmarschiert, hieß es weiter. Die Soldaten hätten an zwei Punkten die Grenze überschritten. Demnach seien 6.000 Soldaten nach Südossetien durch den Roki-Tunnel einmarschiert und weitere 4.000 nach Otschamtschire in Abchasien.



Mario Lustich
Moskau bestätigt Abzug

Russland hat den Rückzug georgischer Truppen aus der umkämpften südossetischen Hauptstadt Zchinwali bestätigt. Der Großteil der Stadt werde von russischen Soldaten kontrolliert, teilte ein Vertreter des Generalstabs der russischen Streitkräfte auf einer Pressekonferenz in Moskau mit.

Der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats Georgiens, Alexander Lomaia, hatte zuvor erklärt, die georgischen Soldaten würden "fast" aus der ganzen Region abgezogen.

Abchasien will kämpfen

In Abchasien droht der Konflikt derweil zu eskalieren. Die Regierung der Provinz mobilisiere ihre Reservisten, erklärte der Präsident der Region, Sergej Bagapsch. Die Armee habe zudem 1000 Soldaten in die umstrittene Kodori-Schlucht geschickt. "Wir sind bereit, eigenständig zu handeln", sagte Bagapsch. "Wir sind bereit, die Ordnung herzustellen und noch weiter zu gehen, wenn es von der georgischen Seite Widerstand gibt."
Mario Lustich
Georgien kämpft weiter

Im Konflikt um Georgiens abtrünnige Provinz Südossetien kämpfen georgische Truppen nach Angaben der Regierung in Tiflis weiter gegen Russland. Das Militär sei nicht besiegt und kämpfe weiter, um neue Vorstöße Russlands zu verhindern, sagte der Sekretär von Georgiens Nationalem Sicherheitsrat, Alexander Lomaia. "Das bedeutet, dass es den Russen trotz ihres noch nie dagewesenen Einsatzes von Ressourcen nicht gelungen ist, unsere Truppen zu besiegen."

Georgien hatte sich zuvor aus der südossetischen Hauptstadt Zchinwali zurückgezogen. Lomaia zufolge hat Russland bislang 15 Städte in Georgien bombardiert. Mit sieben Kriegsschiffen im Schwarzen Meer habe Russland zudem weitere Versorgungskanäle lahmgelegt. Zudem habe Moskau mit sechs Luftangriffen versucht, die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline als einzige nichtrussische Ölleitung nach Europa zu zerstören. Dies sei bisher misslungen.
Mario Lustich
Moskau: Marine versenkt georgisches Schiff

Der Krieg ist nicht beendet. Die russische Marine soll ein georgisches Kriegsschiff im Schwarzen Meer versenkt haben. Die Regierung in Tiflis sieht nun die "Existenz Georgiens gefährdet".

Die russische Marine hat nach offiziellen Angaben ein georgisches Kriegsschiff im Schwarzen Meer versenkt. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau am Sonntag mitteilte, handelte es sich um ein Schnellboot, von dem Raketen abgefeuert werden konnten. Das georgische Schiff habe angegriffen, "die russische Marine hat das Feuer erwidert", hieß es in der Erklärung des Ministeriums, die am Abend von der Nachrichtenagentur Interfax verbreitet wurde.


Zwei Journalisten getötet
Derweil wurde bekannt, dass bei den Kämpfen in Südossetien zwei Journalisten getötet worden. Beide seien von Georgien aus in die Region gelangt, berichtete der Sender Echo Moskau. Dort seien sie dann von südossetischen Aufständischen erschossen worden. Bei dem einen Journalisten handelt es sich den Informationen zufolge um einen Fotografen der russischen Nachrichtenagentur ITAR-Tass. Die Zugehörigkeit des zweiten Reporters war nicht bekannt.